30
Dez
2005

berechtigte zweifel

es ist vorbei dieses supergetue! also ich will hier nichts gegen christen sagen. auch mich nicht gegen religion oder glauben wenden. da hat jede und jeder sein kreuz zu tragen und soll das tun wie er möchte.
ich sag das extra mal so. wohl wissend und sehend wie erfüllend und bereichernd ernsthaft und aufrichtig gelebter glaube sein kann. diesen menschen ist dies hier auch wirklich nicht gewidmet. ich beschwer mich hier mal klar und deutlich über diese mitläufer. diese halbgaren, diese die meinen sie könnten ihren ganz persönlichen sonderbaren kuhhandel mit gott haben. so wie sie immer diese krummen und schrägen geschäfte in ihrem leben betreiben. angeblich glauben sie, halten aber nichts von der kirche, wenden sich gegen die religion an deren gott sie glauben. ich empfinde das als drückebergerisch und flach. sich so jedes türchen offenlassend sind sie die veräter all derer die eben auch all die mühen und die kompliziertheiten ihrer religösen überzeugungen auf sich nehmen. die am haus bauen, es hegen und pflegen. während die, die meinen, einen glauben könne mensch auch mieten wie ein auto oder meinen, das sei so ne art "shareware" alles nur verbrauchen und nichts anderes als hoffnungslos abergläubig sind. da ist mir ein entschieden und bewusst gottloser doch deutlich lieber
weil so sehr wir menschen auch auf glauben angewiesen sind, ist doch allgemeine gutgläubigkeit eher verheerend. glauben ist so schwer wie zweifeln und beides braucht sehr viel geduld und übung.
Zweifel ist immer berechtigt und etwas sehr aufbauendes. Verzweiflung ist nicht das Ergebniss von Zweifel.
Bezweifle alles! Glaube nichts! Versuche es! wenigstens einmal, bitte. denn da ist kein gott für deine kleinen persönlichen ängste.solange du sie nicht als deine aufgaben, als deine hingabe erkennst. du hälst diese tür verschlossen und bist noch beleidigt, dass sie dann weihnachten nicht automatisch offen ist.
so genug religiöses
weihnachten auch ein familienfest. ist dir schon mal in den sinn gekommen, liebesglück,beziehungen, familienglück grundsätzlich zu bezweifeln. also wo soll das denn herkommen? das wächst doch nicht auf bäumen und ist auch nicht im bücherladen zu kaufen. es ist auch nicht eine frage der erkenntniss oder von einstellungen.
erstmal ist so etwas einfach nicht da. installiert werden kann es sehr temporär von sehr bescheidenen und demütigen menschen.
solange da mit höchster ansprüchlichkeit nach gegiert wird, darf sich wirklich niemand wundern das es so nicht geht.
schon mal überlegt, ob du mit dir zusammen sein willst?
und dann heilig abend zutiefst entäuscht von sich dem oder den andern, die einsamkeit beklagend. ja ich weiß das fernsehprogramm wiederholt sich auch ständig.
die meisten familien enstehn zwar durch sehr unbedachten austausch von körperflüssigkeiten und aus etwas zu gieriger haltung sind aber selten bewusste entscheidungen zu einer gemeinschaft.
und zu weihnacht solls dann plötzlich alles da sein? warum? woher? durch eine haltung,wie die, ich machs mal wie die andern, ist keine fruchtbarkeit möglich. nun gut, es ist vorbei geh du mal deine geschenke umtauschen und mach dir keine sorgen, du machst schon alles richtig. bin nur ich, der da berechtigte zweifel hat.

4
Nov
2005

im Dunkeln

ein unerklärliches geräusch
erinnert mich an ratten
fressen meine seele
ich spüre das loch in der wand
es blutet
mein herz schmerzt
ich kann es nicht spüren
wolltest du mir was sagen?
möchte überhaupt jemand mit mir reden?
du nervst
mich interessieren nur deine gefühle
was du willst ist mir egal
es ist mir gleichgültig
völlig versunken
vergesse ich mich
und meine wünsche
hast du wünsche?
wieso?
die schlimmste krankheit an der ich leide
das bin ich
mir selbst das furchtbarste
was mir passieren konnte
das mag ich an mir
obwohl mein selbstmitleid
mich ekelt
essen, trinken und jedes menschliche geräusch
erinnert mich an ratten
wenn ich nicht so faul wäre
würde ich das laufrad verlassen
und irgendetwas tun
es anpacken, mal aufräumen
waschen, spülen, essenkochen
doch ich lauf lieber im kreis
und weiter
verständnisloser unsinn in meinem kopf
schmerzt mich jede erinnerung
jedes geräusch werde ich lichtscheu
und bleibe immer im dunkeln
brueckenkopf2

29
Sep
2005

merkwürdige Äußerung

Mein Künstlerkollege und Freund brachte nun zum wiederholten male diese merkwürdige Äußerung, er sei neidisch auf mein Thema, auf meine Geschichte.
Er habe da nichts vergleichbares vorzuweisen. Ich wüsste wenigstens warum ich Kunst machen müsse.
Nun einmal so ein Gedanke, da schnappe ich nach Luft und komme kaum noch zum Atmen, doch da rede ich noch mit ihm darüber. Versuche Missverständnisse zu klären.
Monate später dieselben Gedankengänge, laut von ihm vorgebracht. Da werde ich wütend, traurig und bin entsetzt.
Er besorgt mir eine Ausstellungsmöglichkeit, 500 € Reinverdienst wären für mich drin. Für ihn wären dabei fast das dreifache drin. Ich lehne ab, ich stelle meine Bilder nicht aus, weil evtl. Verdienstmöglichkeiten damit verbunden sind. Ich stelle nur dann was aus, wenn ich meine, etwas zu sagen zu haben, etwas öffentlich sagen zu haben. Ich habe dann auch nichts dagegen, wenn meine Arbeit entlohnt wird. Ich muss das so machen für mein Seelenheil. Wohl wütend, weil ihm ein gutes Geschäft durch die Lappen geht, sagt er zu diesen Argumenten von mir, ich trüge meine wunde Seele vor mir her, würde mich hinter meiner Geschichte verstecken.
Mir tut das weh.
Ich verstecke mich nicht hinter meiner Geschichte. Das habe ich früher getan oder besser gesagt ich war in ihr versteckt. Heute stelle ich mich schützend vor meine Geschichte.
Tja, ich kann die gut verstehen, die sich nicht offen dazu äußern wollen, dass sie in ihrer Kindheit sexuell missbraucht wurden. Es wird gegen sie verwand, immer von fast jedem. Von ähnlichen oder ebensolchen Opfern werde ich schnell mal wie ein Verräter gesehen, wie einer, dem es um Opfervorführung ginge. Von den weniger informierten von den sogenannten „Nichtbetroffenen“, die es genau betrachtet gar nicht geben kann, werde ich als Mitleidsjäger eingestuft. Als einer der es immer noch nicht hinter sich gelassen hat. Als einer der ewig entwicklungsgehemmt bleibt. Was ich hinter mich gebracht habe, was ich bewältigt habe, wie ich mich entwickelt habe, das können sich die meisten einfach nicht vorstellen, weil sie nicht glauben, das Menschen solch einen Überlebenswillen haben. Sie können es nicht glauben und sehen, weil sie einen meistens wohlgelaunten, liebevollen, offenen und interessierten Menschen in mir vor sich sehen. Mitleid erlebe ich als Abwehr. Also bin ich nicht daran interessiert. Doch es ist die alte Geschichte, Hiob wurde bestraft für das Überbringen der schlechten Nachricht. Ich habe die Wunden doch nicht gerissen, auf die ich hinweise. meine persönliche Geschichte geht nur meine besten Freunde was an. Doch bin ich der Meinung, dass es unbedingt nötig ist, öffentlich, klar, laut und überdeutlich immer wieder daraufhin zu weisen., dass wir täglich den Missbrauch von Kindern gleichgültig geschehen lassen. Ich kann nur hoffen, dass es mir viele Menschen gleichtun und ihre Empfindlichkeiten deutlich vor sich hertragen. Dieses ständige, „Faust – in – der -Tasche“ machen, dieses ständige, Wahrheiten verbergen wollen, halte ich nur dafür geeignet, jeder Form von Missbrauch Vorschub zu leisten.
Zu lange musste ich mich verstellen, lügen um den Täter zu schützen.
Übrigens die Täter verstehen meine Haltung und mein Herz auf der Zunge noch am besten. Sie fühlen sich entlarvt, entdeckt. Sie regen sich am meisten über mich auf.
Also, ich begehe, ganz eindeutig, ständig diese öffentliche Seelenschau, um mich vor Tätern zu schützen. Und um so zorniger oder angeblich wohlwollend kritischer, ja, sogar neidischer, wie ich nun lernen musste, ein Mensch auf mich und meine Art, meine Geschichte als Mittel einzusetzen, reagiert, um so klarer sehe ich den Menschen vor mir, der deutlich sein missbräuchliches Verhalten verteidigen will.
Denn das Thema ist ja deshalb so schwierig, weil wir alle in irgendeiner Form Missbraucher sind. Abhängigkeiten ausnutzen wollen. Freiheit verhindern wollen.
Es ist deshalb ja so ein langer Weg dahin, das Kinder geschützter und geförderter groß werden können, weil niemand vorhat sich evtl. scharfe Kritiker seiner Selbst groß zu ziehen. Licht ist ein gutes Mittel gegen Missbrauch!

11
Sep
2005

unerklärliche traurigkeiten

wasser längst vergessener träume
absichten einer kleinen blume
war doch unsre schwester
vergangenes blühen
der wind schleicht durch die sträucher
macht kleine türen auf
für die nester
in denen sich der herbst zu hause fühlen soll
wohlige runde mit freunden
lecker essen feines denken
wohlgesonnen werde ich geliebt
alles ist schön
warum bin ich nicht glücklich
trauer in mir fühlt sich betrogen
wann darf sie wieder mit mir alleine sein
habe ich angst fröhlich, heiter und gelassen zu sein?
süchtig auf meine trauer lauernd?
ich bin oft lieber alleine
wenn ich so traurig bin
so tief traurig und will gar nicht wissen warum
und wie lange sie bleiben will
meine trauer
nur möchte ich aufrichtig bleiben können
nicht lächeln
wenn ich ängstlich frage
nicht so verbindlich sein
wenn ich fliehen will
möchte nicht mehr so warten müssen
auf meine gelegenheiten
in denen meine gefühle
unerklärlich bleiben dürfen

25
Aug
2005

„Schönen Sonntag noch“ 08.08.05

Tausend Splitter
bin ich und kitte und klebe
und wieder bricht alles.
Wie kleine Explosionen.
Dann passt wieder mal nichts zusammen.

ein Stück, wie ein alter Mann, der nie dazu lernen konnte.
Bin das junge Mädchen, das lieber eine Blume wäre.
Spüre den noch sehr jungen Mann, der in die Welt stürmt voller Mut und verloren in der Ecke steht der kleine Junge, verängstigt, träume ich von mir.

Ein langer grader Weg, führt er durch hohe, dunkle Fichten und scheint ohne Ende. War doch alleine losgegangen, meine Hündin an der Leine. Meine Angst und Wut im Bauch. Soviel davon, dass ich mal locker aufs Frühstück verzichten konnte. Wer atmet da hinter mir? Keucht meinen Namen flüsternd mir ins Ohr. Habe den Gestank von ihm in der Nase.
Schön auf dem Weg bleiben. Auch der Fichtenbestand ist begrenzt. An seinem Rand jetzt wild wuchernde Sträucher, grasbewachsener Weg. Es gibt diese Stellen im Wald, an denen scheinbar jäh alles endet. Hier ist es hell und nie von anderen gesehen. Plötzlich ist kein Weg mehr da, muss ich aufmerksam sein. Sehe, wo es weiter gehen könnte. Stille, starrer Moment, wie auf einem Foto. Nur meine Hündin und ich, wir bewegen uns. Steht er vor mir, halb verlegen, halb triumphierend, hat dieses dämliche Grinsen, bettelnde Augen. Sehe ich das Messer in meiner Hand. Sticht es auf ihn ein oder tue ich das?
Dunkelrotes Blut, moosgrüner Waldboden, schöne Farben.
Tauche ich auf der Strasse auf, sind dann da Radfahrer. Emsig strampeln sie an mir vorbei. Ein Auto wird zu mir und dann ganz schnell an mir vorbei gefahren. Auf der anderen Straßenseite steht er mit dem Messer in der Hand. Während ich auf ihn zugehe, höre ich seine üblichen, wortreichen Entschuldigungen. Seine Erklärungen und nie spricht er auch nur einen Satz zu Ende. Meine Hündin entdeckt am beginnenden Waldweg ein Kaninchen, zerrt an der Leine. Steht da eine Frau auf einem gefällten Baum. Sehe in ihr meine Schwester, tonlos und starr immer wieder diesen Satz wiederholend. Ihr versichern, wie recht sie doch habe, frage ich dann, was wir denn tun können. Meine Hündin ist jetzt mit der Maus beschäftigt, die sie unter Blättern wähnt. Ich liebe es, wenn sie so stehen bleibt, den Kopf leicht schief legt und wunderschön ist mit ihrem Jagdtrieb.
Und hier geht es in den Keller der toten Kinder. Sind Reste ihrer entstellten Skelette, zerstückelte Knochen, zertrümmerte Schädel. Sanft scheint der Mond auf meine Haut. Mordlust durchströmt mich, alles zerschlagen und mich vom Rand der kleinen Schlucht da vorne auf die schöne, lange abgestorbene Fichte stürzen.
An der nächsten Kreuzung begegnet uns ein Paar ohne Gesichter. Sein gurkenförmiger Kopf trägt statt einem Gesicht, rote, kleine Punkte. Wie Pickel. Sie wirkt ganz normal, doch manchmal verschwindet ihr Gesicht und es fallen Schubladen von Dächern mit lautem Getöse. Stimmen, wispernd wie Mäuse. Warum so ängstlich? denke ich. Höre meine dunkle Stimme, wie Donnerhall. Weiß den Weg. Erleichtert danken die Mäuse und fliehen in kopfloser Furcht. Meine Hündin untersucht die leeren Schubladen, nicht der kleinste Krümel bleibt. es ist nicht wahr oder? Doch?
Ein altes Lied geht mir durch den Kopf und gehe ich den falschen Weg. Züge rattern, Autos hupen.
Wer ist er? Lebt er noch? Freue mich über seine Faulheit. Würde er mich sonst besuchen oder er hätte verrückte Einfälle. Nachher schriebe er mir noch einen Brief?
Eine Familie taucht auf.: „ Oh, ein Husky, darf ich den streicheln? Wieso hat der zwei verschiedene Augenfarben?“ Die Papiertüte über dem Kopf trägt meinen Mund. Freundlich gibt sie Auskunft. Misstrauisch beobachtet, ist der Mund schnell und geschickt, weiß wann er lächeln muss. Unter Pilzen werden winzige Kinder gefesselt. Sehne ich mich zu den Wolken. Die Tochter der Familie will die Hand des Vaters nehmen, die erschrocken zurückweicht. Schaue wieder in dieses verlegene, wortreiche Erklären. Alles bleibt stumm. Sehe in das schöne Tal während das Mädchen sich auszieht mit diesem Gesichtsausdruck, den Kinder haben, wenn sie wissen, dass nichts mehr zusammen passt. „ Ja, schönen Sonntag noch“ Pisst er mir ins Gesicht, weine ich, soll mich doch nicht so anstellen.
Müde bin ich. Einfach nur müde liege ich mitten auf dem Weg. Lasse die Tränen laufen. Meine Hündin tröstet mich. Wo bin ich hier?
Nein, niemand soll mich so finden, so sehen. Laufe den Weg, sehe nichts, spüre nichts, laufe nur noch, laufe, laufe.
Jeder Wald ist überall Wald. Ich kann mich blind in jeden Wald fallen lassen. Wenn der Wald dann meint, ich solle wieder zu Hause sein, stehe ich wieder vor meiner Haustüre. Hastig aufschließend, zittrig vor Angst und Hunger. Blasen an meinen Füßen. Meiner Hündin ist das egal, sie kennt mich. Zu hungrig um zu essen, schlinge ich Haferflocken mit Kakao runter. Dumpf falle ich aufs Bett, schlafe schlagartig ein.

Wie lange habe ich geschlafen? Das Telefon schellt. „Hab ich dich geweckt? Was machst du? Gehts dir gut?“ „ Ja, Ja, “höre ich mich sagen. „Hab einen Spaziergang gemacht, war schön. Danach schlaf ich immer gerne ein bisschen. Nee, gut, dass du mich geweckt hast
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